Montag, 14.12.09 – ganz viel zu erzählen!

Mal wieder eine Woche nicht geschrieben, mannomann! Also erstmal zu den allertollsten Neuigkeiten: Max kommt! Mein Max kommt mich besuchen! Auf dem Rückflug von Hongkong schaut er für 5 Tage in Kathmandu vorbei! und das ist schon im Februar! Das wird so wunderbar!!! Hach ja, allein deswegen könne ich schon die ganze Zeit grinsen.

Aber nun zu meinem grandiosen Wochenende: Erstmal war Freitag die Geburtstagfeier von dem Shopbesitzer und auf dieser gabs sogar Kuchen (nen richtigen echten!) und interessante Dinge zu essen. Neben Gemüse und normlen Fleisch (wie immer Büffel) gabs auch Hirn und Knochenmark, gegart und gebraten. Und ihr werdets nicht glauben *trommelwirbel* Ich habs probiert!!! Knochenmark war erstaunlicherweise ekliger als das Gehirn, was aber nur an der Konsitenz lag, Also an sich macht es ja schon Sinn, von nem Tier auch wirklich alles irgendwie zu verwenden und dann sollte man auch die Organe essen. Naja, aber mehr hab ich jetzt nicht gegessen, einmal probiert und das reicht. Allerdings haben sich Michi und ich an dem Abend (neben einigen Nepalis) ziemlich betrunken und waren saupeinlich… Scheiße… Unser Haus hier hat eh schon seinen Ruf weg, aber das hat dem jetzt nochmal die Spitze aufgesetzt.

Das ist das nächste Thema: Wir hatten ein ziemlich erstes Gespräch mit Rike, weil unser Verhalten wohl doch noch weniger hier hineinpasst als sowieso schon gedacht. Die Leute interessieren sich ja auch für uns und wir werden ständig beobachtet. Ich probier mal das zu beschreiben, was die Leute bei uns so sehen und was sie darüber denken. Es beginnt allein schonmal damit, dass wir zu viert, insbesondere 3 junge Frauen, ohne Familie, dafür aber mit nem Hund, wohnen. Dann haben wir unsere Wäsche auch nicht immer oben auf dem Dach auf dem Wäscheplatz hängen, sondern auch auf dem Balkon, was total unordentlich aussieht. Wir leben also im totalen Chaos. Dazu haben wir ja auf der Terrasse ein Sonnensegel oder -tuch gespannt, weil die Sonne im Sommer halt ziemlich knallte. Das ist allerdings recht bunt (wenn auch mittlerweile sehr ausgeblichen) und kommt also total Hippie-mäßig rüber. Daraus schlussfolgern sie, dass wir also uns die ganze Zeit nur Drogen reinziehen und unsauber und chaotisch leben. Von den sexuellen Gewohnheiten mal ganz abgesehen. Diese Gedanken werden allerdings auch wieder bestätigt, da wir abends bzw für Nepalis nachts öfters mitm Motorrad von auch wieder verschiedenen Männern nach Hause gebracht werden oder sowieso total spät nach Hause kommen. Dazu wohnt im mom ja auch Mira hier, was die Sache nicht besser macht. Und bei uns ist nach 11 Uhr oft noch das Licht an und wir schlafen noch nicht. Auch sehr komisch. Und wir tragen die falschen Klamotten. nicht, dass es eine Möglichkeit gäbe, die richtigen zu tragen. Aber wir laufen zu Hippiemäßig rum (ich zum Beispiel). Am besten ist es ein bisschen schicker angezogen zu sein, aber dann sind wir wieder die reichen Westler. In ner Jeans ist man zu sexy. Ich hab jetzt garantiert so einiges vergessen, aber wir sind in deren Augen jetzt das Hurenhaus von Khusibu… Und was kann man dagegen machen? Nichts. Genau. Der Ruf ist versaut, verdammt… Wir können es probieren uns mehr an die Regeln zu halten bzw einfach, wenn es so aussieht, als ob man nach 11:30 nach Hause kommen würde, woanders schlafen. Und die Wäsche nur noch ganz oben aufhängen (mein Gedanke war ja, dass man da die BHs und Co noch besser sieht, aber egal…) und so weiter. Ja, so siehts aus… Dazu hab ich es mir wahrscheinlich mit dem Shopbesitzer auch versaut, einerseits wegen der Party am Freitag und andererseits weil ich hier im Moment das Klischeebild, was sie von Westlern haben, leider ziemlich erfülle. Ihr wisst hoffentlich was ich meine. Mensch, ich hab das auch nicht geplant..! Soweit zu den negativen Dingen, die hier im mom als eine riesige dunkle Wolke über mir schweben. Die mir so wichtige Unabhängigkeit gibts hier für Frauen eben nicht. Ich dachte ja: „Boa, Kathmandu ist ja schon ziemlich westlich, das wird schon gehen.“ Aber es ist halt doch noch mehr anders, als man dachte. Darf ich zu meiner Verteidigung sagen, dass man hier ja nur männliche Freunde haben kann? Man kommt ja mit keinen Frauen in Kontakt! Und die Freunde sind dann auch noch alle hetero, was die Sache noch komplizierter macht! Kein Wunder, dass wir hier das Hurenhaus sind. Mama, du hattest recht, wenn ich wiederkomme, such ich mir ne SchwulenWG. Das wird alles viel einfacher werden.

So. Das wars jetzt erstma mit den Negativschlagzeilen. Jetzt zu dem Ausflug, den ich mit den Jungs gemacht hab. Wer war alles dabei? Shailendra (der Shopbesitzer), Yasmina, Somu, Hanu, Pramod, Amidai und seine Frau. Sind halt alles Freunde von Shailendra, die auch immer im Shop abhängen.

Wir haben uns dann so gegen 10 aufm Durbar Square getroffen, es gab wie immer Chiya und diese Teigkringel zum Frühstück. Wir sind dann noch Amidai abholen gefahren, haben da natürlich nochmal Chiya gekriegt und haben uns dann in ein Tuktuk gequetscht, sind bis Kalanki gefahren (direkt an der Ringroad) und haben uns dort einen Bus nach Mana Kamana gesucht. Und im Endeffekt saßen wir in einem Mikrobus, der für meine Beine selbstverständlich nicht gemacht war. Zum Schlafen war er auch nicht gemacht, da die Rückenlehnen bei mir wirklich zwischen Schultern und Nacken zuende waren und dadurch mein Kopf einfach nach hinten viel. Außerdem kann man bei den Straßenverhältnissen eh schwer schlafen. So kleine Löcher und Co in der Straße gehen ja noch, aber wenn dann zwischendurch so ein richtig schönes Schlagloch kommte, ist man halt doch wieder wach… Bis nach Mana Kamana sind es von Kathmandu so 70 – 80 Kilometer und wir haben auf der Hintour haben wir ungefähr 3 und auf der Rückweg 3,5 Stunden gebraucht. Ja, das ist normal. Zwischendurch haben wir einen Zwischenstopp gemacht, bei dem es Mittag gab. Selbstverständlich Daal Bhaat. In Mana Kamana bzw in dem Örtchen im Tal sind wir dann  ausgestiegen und zur Gondel gegangen. Die einzige Seilbahn Nepals, also eine rieeesen Attraktion! Ich dachte eigentlich, dass auch Touris da sein würden, aber nein, keine weißen Menschen. An der Kasse wollten sie von uns Touris eigentlich 1190 Rupien haben! Gehts noch? Einheimische bezahlen nur 390… Aber mit ein bisschen Gerede und der VolounteerCard musste wir dann auch nur 390 bezahlen. Die Gondel wurde von Österreichern erbaut und war halt genauso wie in Nauders oder Bruneck oder sonstwo! Herrlich! Es ist Winter (wenn auch ohne Schnee) und ich fahre Gondel! Super! Noch toller wars allerdings für die anderen, denn für einige wars da erste, zweite oder dritte Mal. da wurden tatsächlich Bilder vom Einsteigen und fahren und aussteigen gemacht. Irgendwie echt süß *hihi* Ich habs einfach genossen, die gleichen Geräusche, Stoffe, Gondeln und Sicherheitshinweise! Alles in Englisch, Deutsch, Französisch und Italienisch =D Oben angekommen findet man die gesamte Strecke durch das Örtchen nur Verkaufsstände mit jeglichem Zeug, was man nicht braucht. Irgendwann kommt man am großen Wunschtempel, dem Tempel der Göttin Mana Kamana an, wo die ganze Zeit viel Betrieb ist und gebeten wird. Dieser Tempel ist  der eigentlich Grund für die Seilbahn und dort kann man sich beim beten etwas wünschen. Nur Liebe ist nicht erlaubt. In der Nähe vom Tempel haben wir uns dann ein Hotel gesucht, in dem Moment stellte ich also fest, dass wir wohl hier schlafen würden. Wir waren zu 8, also gabs ein 8-Personen-Zimmer mit 4 Doppelbetten mit 4 Decken und 8 Kissen. Reicht ja aus. Dann haben wir noch eine kleine Wanderung zu einem etwas weiter entferten Tempel gemacht, so ca 45 min. Und nur bergauf! Ihr kennt meine Kondition ja, aber da ich ja so eine bin, die immer gewinnen will, war ich trotzdem die Zweite, die oben ankam *muharhar* Ein sehr sehr alter Tempel. Einmal im Uhrzeigersinn drumrumgelaufen und von Hanu Blütenblätter ins Haar bekommen und fertig waren wir *g* Und konnten den Abstieg wagen. Mittlerweile war es allerdings fast ganz dunkel geworden, aber klugerweise haben die Handys hier ja fast alle Taschenlampen mit drin. Sehr nützlich. Zumindest irgendwo draußen in den Bergen bzw bei Stromausfall. Wieder angekommen haben wir Abendbrot gegessen (Daal Bhaat, is klar, ne?) und danach nur noch oben im Zimmer gechillt. Ich hab hier Kartenspielen gelernt „Marriage“ und bin echt gut =D Beim Üben gegen Hanu, den Kartencrack unter den Jungs, hab ich aller Spiele bis auf das letzte gewonnen. Dann durfte ich also für ihn gegen die restlichen Jungs spielen. Also er hat das schon beaufsichtigt, keine Sorge, denn es ging ja um Geld^^

Am nächsten Morgen sind Amidai und seine Frau schon um 7 aufgestanden, ich dachte ja erst, dass die schon nach Hause wollen, aber wie ich später feststellte, haben sie uns nur Plätze freigehalten. Denn an dem Tempel wird die ganze Zeit geopfert, ist ja auch der Wunschtempel. Und man muss sich anstellen. Insgesamt haben wir ne Stunde gewartet, bis die Jungs durch waren. Als erstes haben sie sich Opftergaben besorgt, die gibts schon im Paket zu kaufen: kleine Bastkörbe mit Blumen, einer Kokusnuss (als Tierersatz), Bändern, ein Kamm, Armreif für die Göttin (damit die sich hübschmachen kann) und Kerzen. Dann haben sie sich angestellt und gewartet. Irgendwann mussten sie die Schuhe ausziehen und Glocken läuten usw. Als richtige Tiere werden Hühner, aber größtenteils Ziegen geopfert, und der Gedanke daran, wenn man sie noch fröhlich umherhüpfen sieht, ist nicht schön… Ich habs mir auch angeguckt. Also fast. Ich hab die Ziegenköpfe auf einem Haufen gesehen, die Schreie gehört und auch die Körper ohne Kopf gesehen. Und viel Blut. *schauder* Irgendwie sollte man sich das ja schonmal angucken, wenn man Fleisch isst, oder? Hmm, ich bin zwiegespalten… Als die Jungs wieder rauskamen, war die Kokusnuss geteilt (wird halt wie ein Tier auch ‚geschlachtet‘) und der ganze Rest (Blumen, Bänder und Kerzen) gesegnet. Nur das Zeug für die Göttin blieb natürlich im Tempel. Dazu hatten alle natürlich ne Tika (der rote Punkt) bekommen. Netterweise haben wir dann auch ein gesegnetes Bändchen bekommen (das wird um den Hals gebunden und bleibt solang dran, wie es halt nicht abgeht) und auch ne Tika. Die Kerzen werden angezündet und irgendwo beim Tempel hingestellt und die Blumen (in dem Fall waren es unter anderem Weihnachssterne^^) werden ins Haar gemacht. Danach haben wir noch ein bisschen Karten gespielt (ja, wir haben Geld gemacht *hehe), Mittag gegessen und uns auf den Heimweg gemacht.

Ja, soweit zu dem Ausflug!

Ansonsten bin ich hier gerade über alles und mich und alle anderen ziemlich verwirrt.

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3 Kommentare zu „Montag, 14.12.09 – ganz viel zu erzählen!

  1. ach laura, es war doch klart dass du mit deiner art irgendwie anecken musstest, du laesst dir halt einfach ungern sagen was du zu tun hast und was zu lassen. aber leider leider ists numal so dass wenn du weiterhin drauf scheisst, wirklich den zorn einiger leute auf dich ziehst. vielleicht andersrum mal versuchen? erst ein auf voll eingeliedert machen und da pö a pö ^^ sich so seine freiheiten raus nehmen. so ham wirs ge,acht wenn die leute was auszusetzen hatten und dann ham se auch nix mehr gesagt, weil sie wusste ja das wir nette mädchen sind^^
    dir wird schon was einfallen, und glaub mir. das misstrauen der leute kommt nicht von eurem sonnenseegel oder der wäsche^^

    alles liebe,
    kussilus,
    luise aka moralapostel

    1. ja, du hast ja recht, dass meine art es hier nicht einfach macht, das stimmt wohl.
      aber es ist auch nicht einfach, sind in etwas einzugliedern, wenn nichts da ist, in das du dich richtig eingliedern kannst. führ mal ein nepalileben, von dem du nicht 100% weißt, wie es geht, wenn du mit 3 anderen deutsche in einer wg wohnst.

      und es liegt doch auch an dem sonnesegel und der wäsche, sonst hätte uns das rike, die hier seit über 2 jahren lebt, nicht so gesagt.

      aber trotzdem streite ich nicht ab, dass du recht hast… aber ich nehm mich schon zurück. keine sorge. ich geb mir mühe. vllt reichts noch nicht aus, aber das wird.

      und ich war gestern echt doof drauf, heute seh ich das auch schon wieder relaxter. hab ja gesagt, dass der blog emotional wird.

  2. Dank an luise!!!! so muss ich nicht den zeigefinger heben.
    und an laura: verwirrt sein ist nun mal verwirrend und vergeht irgendwann wieder. kann aber dauern….

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