Dienstag, 19.1.10, 01:00 – ich kann nicht schlafen

Auf meiner To-Do-Liste stand bis heute Abend: ‚Unis Bewerbungsfristen checken‘, denn Gerry hatte mir erzählt, dass Leute, die schon letztes Jahr ihr Abitur gemacht haben, sich schon früher bewerben müssen. Pustekuchen. Laut deren Homepages bleibts so bei Juni / Juli. Aber hey, das hat mich mal wieder dazu gebracht, darüber nachzudenken, was denn wird, wenn ich wiederkomme und sowieso mit meinem Leben usw. Milena hatte mich ja auf die Idee gebracht, was in Richtung Nachhaltige Wirtschaft zu studieren. Denn ja, ich will durchaus einfach mal Geld verdienen, daran hat sich bisher mit meinem Weltwärtsdienst noch nichts geändert, aber meine Einstellung zu vielem hat sich gewandelt oder einfach weiterentwickelt. Dazu kommt noch, dass ich Nepal mittlerweile wirklich als Ort ansehe, an dem ich noch viele Jahre meines Lebens verbringen könnte und vielleicht auch arbeiten möchte. Und dann nicht als ausbeuterische Unternehmerin, sondern als jemand, der diesem Land auch etwas bringt. Und um diese beiden Wünsche – Geld für mich und Verbesserungen in irgendeiner Weise für Nepal (Gott, klingt das hochgestochen…) – wäre nachhaltige Wirtschaft doch genau das Richtige!
Ich hab mich also informiert und bisher nur einen Bachelor-Studiengang in Berlin 😀 gefunden: WirtschaftingenieurIn in Umwelt und Nachhaltigkeit. Super, denn eigentlich hab ich keinen Bock 3 Jahre lang schnödes BWL zu studieren um erst danach noch 2 Jahre endlich einen Master zu machen, der mich wirklich interessiert. Nicht, dass ich auf den Master verzichten möchte, aber ich will einfach kein stures, reiines BWL… Allerdings braucht man für diesen Studiengang ein 13-wöchiges Vorpraktikum…

Also nun zum Plan: Ich bewerbe mich trotzdem (nur in Berlin) für alle möglichen Wirtschaftsstudiengänge zum Wintersemester 10/11. Dann gibt es 2 Möglichkeiten:
1. Ich werde angenommen, der Studienplatz gefällt mir und ich komme termingerecht Ende September 2010 nach Hause um am  1.10.10 mit dem Studium beginnen zu können, habe also 2 Wochen um mir nne WG zu suchen, einzuziehen und alles auf die Reihe zu kriegen. Ist zu schaffen. Allerdings ist die Frage, ob ich mit nem Abi von 2,0 bei Studiengängen mit nem NC von 1,3 letztes jahr überhaupt angenommen werde. Selbst mit 2 Wartesemestern und damit – wie man so sschön sagt – nem Durchschnitt von 1,8…
2. Ich werde nicht zum WS 10/11 angenommen. Dann würde ich noch bis Weihnachten herumreisen, hätte also noch 3 Monate mehr. Nepal ganz erkunden, ein bisschen Indien, vielleicht Pakistan. Oder auch China. Oder Bangladesh. Ich hätte ja noch 3 Monate mehr. Dann würde ich also im Dezember nach Deutschland zurückkehren, könnte für meinen auserkorenen Studiengang das Praktikum machen (sind ja schließlich über 3 Monate), trotzdem in eine WG ziehen und nach dem Praktikum bis zum Studienbeginn jobben um möglichst viel Geld für die nächste Reise nach Nepal zu sparen. Ich könnte sogar überall in Deutschland jobben und mein WG-Zimmer für die Zeit untervermieten.

Ich musste das gerade einfach mal aufschreiben, mir schwirrte das die ganze Zeit im Kopf rum… Wie bin ich eigentlich darauf gekommen, mal wieder so sehr darüber und über unsere Gesellschaft und die Welt und Umwelt und Nachhaltigkeit nachzudenken? Einerseits liegt es bestimmt wirklich an Gesprächen, die wir unter Freiwilligen führen und  die solche Themen durchaus behandeln. Wie zum Beispiel, dass Nepaplis gar nicht 100% schuld an ihrem Müllproblem sind, da Plastikkprodukte ja einfach aus dem Westen hergebracht wurden und auf einmal da waren. Im Gegensatz zu Industrieländern, wo sich das alles langsam entwickelt hat und wir noch gelernt haben, dass Plastik nunmal nicht verrotet, ist es hier halt anders. Kein Wunder, dass ich überall die Müllberge türmen. Das Plastikmüll auf der Straße verbrannt wird. Ein weiterer Grund für mein aktuelles Denken ist eine schon bestimmt 10 Jahre alte Animeserie, die ich mir über die SuperWLanVerbindung im Cafe ansehe. Earth Girl Arjuna, falls sich noch jemand daran erinnert. Hier ein paar Zitate:

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Ein Gespräch zwischen Arjuna und ihrem Mathelehrer:

Hast du schonmal darüber nachgedacht, warum es in den Fabriken Fließbandarbeit gibt?

Warum fragen Sie mich so etwas?

Sag warum!

Warum? Naja, wahrscheinlich damit damit nicht eine Person ein Produkt von Anfang bis Ende fertigen muss. Und weil… es effizienter ist, wenn jeder dem Ganzen nur ein Teil zufügt. Nicht wahr? So haben wir es doch in der Schule gelernt, nicht wahr?

Du bist wohl gut im Auswendiglernen, was? Warum ist es nötig die Effizienz zu erhöhen?

Weil es gut ist, wenn man in einer kurzen Zeit viele gleiche Sachen herstellen kann.

Und warum?

Das bringt viel Geld ein. Und für den Käufer ist es auch einfacher, weil er nicht darauf warten muss und sie sofort haben kann.

Gut, ich ändere mal die Fragestellung: Warum sperrt man die Hennen in viel zu kleine Käfige ein und gibt ihnen immer das gleiche Futter?

Hä? Also… ne echt gute Frage.. ja… warum?

In den Gemüseläden bieten sie nur gerade gewachsene Gurken oder Rettiche an. Gemüse, das alles die gleiche Größe hat. Warum?

Also, weil so der Transport irgendwie einfacher ist.

Die verpackten Lebenmittel aus dem Supermarkt, bei denen das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, werden oftmals weggeworfen. Warum?

So kann man die Sachen einfacher managen.

Die Eltern schimpfen mit dem Kind, dass es sich beeilen soll, obwohl es sich viel Mühe gibt, die Knöpfe selber zuzumachen. Am Ende machen sie es. Warum?

Ich schätze mal, weil es so einfacher für die Eltern ist.

Es werden große Mengen von zusätzlicher Hilfslektüre fürs Lernen verkauft, obwohl es gute, preiswerte Schülbücher gibt. Warum?

Damit es einfacher ist, an die Lösung zu kommen.

Auch wenn es in der Klasse Schüler gibt, die mit dem Unterrichtsinhalt nicht mitkommen, versuche ich trotzdem, den Unterricht planmäßig durchzuführen. Warum?

Vielleicht, weil es für den Lehrer so einfacher ist.

Sogut wie alle Geschäfte behaupten, dass jeder Kunde anders ist und sie deshalb individuell auf jeden eingehen. Trotzdem verhalten sich die Angestellten strikt nach Vorschrift. warum?

Das ist für die Angestellten einfacher, so wissen sie genau was sie tun müssen.

Die Schüler versuchen nicht einmal, selbst zu überlegen oder die Lösung zu finden und verlangen immer von den Lehrern alle Antworten. Warum?

Naja, weil es so für die Schüler wahrscheinlich einfacher ist.

Zwar könntet ihr euch tagtäglich treffen und direkt miteinander kommunizieren, aber trotzdem bevorzugt ihr das Mobiltelefon. Warum?

So ist es viel einfacher, als wenn man zu jemandem hingehen muss.

Überall auf der Welt nehmen die Menschen leichtfertig hin, was die Medien berichten, sie vertrauen ihnen blind. Warum?

So ist es für die leute einfacher, als den Sachen selber nachzugehen.

Die meisten Schülen bringen gleichaltrige Kinder zusammen und machen immer den gleichen Unterricht, und das schon seit Jahrzehnten. Warum?

So ist es einfacher für die Lehrer und die Eltern.

Deine Antwort ist auf alle meine Fragen im Prinzip immer in der gleichen Art und Weise. Warum?

So ist es für mich viel einfacher, auf all das zu antworten.

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Genmanipulation bedeutet, dass man Lebewesen erschafft, die draußen in der Natur gar nicht vorkommen.

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Während des Ersten und Zweiten Weltkriegs wurden bekanntlich in vielen Ländern große Mengen Chemikalien zur Herstellung von Bomben oder Giftgasen produziert. Als aber dann der Krieg zu Ende war, waren die Chemikalien auch nur noch Müll. Und die Fabriken konnte man nicht so ohne Weiteres einstampfen. Tja, und deshalb wurden damals die übrigebliebenen Giftgase als Pestizide gegen die Insekten auf die Felder gebracht. Die anderen  Abfälle, die als Sprengstoff gedient hatten, wurden dann als Chemiedünger deklariert und von den Bauern auf den Feldern entsorgt. (<– weiß da wer mehr? stimmt das?)

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Die moderne Zivilisation ist ein riesiger Müllhaufen. Sie produziert wahnsinnige Mengen an überflüssigen Dingen. Dann quält sie sich mit der Entsorgung rum. Und schließlich bricht sie irgendwann zusammen. Und zwar unter dem Gewicht ihres eigenen Mülls.

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Nicht, dass ich das nicht wissen würde. Aber sich auf einen Schlag all dieser Dinge wieder bewusst zu werden und dazu noch hier ein teilweise gegenteiliges Leben zu sehen ( leider wirklich nur teilweise), das hat mich doch mal wieder  umgehauen. Und ihr wisst ja, das muss raus^^

Also an alle, die doch mal nen Anime sehen: Zieht es euch rein. Ihr findet alles auf youtube. Sind auch nur 13 Folgen. Ist zwar schade, dass die ganze Thematik auf ne MagicalGirl-Serie aufgespießt wird, aber nach 3 Folgen übersieht man das =)

So, nun werde ich hoffentlich gut schlafen können. Ist mitterweile schon nach 02:00, aber es dauert halt, Zitate aufzuschreiben, wenn man wirklich alles genau aufschreiben will und man logischerweise nur den Originalanime zur Verfügung hat.

Damit eine Gute Nacht, Subaraatri und bis bald.
Eure Laura, die gerade ganz genau weiß, was sie will und sich noch mehr als sonst bewusst ist, dass sie alles machen und schaffen kann, wenn sie nur wirklich will und sich anstrengt. Und nun: Augen zu!

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4 Kommentare zu „Dienstag, 19.1.10, 01:00 – ich kann nicht schlafen

  1. wow, das war ja mal ein statement.
    Hmmm also ich kenne arjuna noch, ich habs damals ja auch gesehen und fand es wirklich denkanstoßend.
    Ich freu mich, dass du jetzt so konkrete zukunftspläne hast, da bist du weiter als ich, aber ich gebe zu bedenken, dass teile des plan 1 etwas utopisch sind.
    Also ich bin ja auch nach greifswald gezogen und befinde mich ja momentan wieder auf wg-suche um im märz nochmal umzuziehen. Und ich sage dir, das alles in 2WOCHEN zu schaffen ist sehr mutig. Ich glaube aber nicht dran. Vielleicht hast du ja nicht so hohe ansprüche, aber du musst dir erstmal bezahlbare wgs raussuchen, die müssen im richtigen stadtteil liegen und dann musst du dir bestimmt 5 ansehen, eh dir eine gefällt… Ich sag ja nur…

    Den rest find ich super.

    knutsch, Maria

  2. Laurachen,
    ich hab mir in München eine WG gesucht mit der Email: „Brauche Wohnung, bezahlbar, keine Gesellschaft, Möblierung wünschenswert“. Und das hat binnen einer Woche (!) geklappt: bei 3 Chinesen, die wahrscheinlich morgens um 8 schon anfangen ihr Fleisch zu kochen 😉 Hab das Zimmer nur von Fotos gesehen und die kennen mich eben auch nicht, aber wir haben den Mietvertrag auf 3 Monate befristet, so kann ich mir dann vor Ort was neues – schönes – eigenes suchen, was erheblich leichter ist, als aus Berlin…da ist nix mit ebenmal hinfahren und WG angucken, da sitzt man ja 6 Stunden im Zug…
    Also ist das nicht utopisch, liebe Maria, sondern nur unrealistisch und an geringe Anforderungen gekoppelt, aber nach Nepal kann doch Laura nix mehr schocken, außer der Berliner an sich 🙂
    Übrigens liebe Grüße von Doro, die hatte gestern Geburtstag 😉
    Fühl dich umarmt, liebes Lauralein!

  3. Hallo,

    vielen Dank für das Zitat aus „Earth Girl Arjuna“. Hab das Zitat gerade in einem Video gehört und dann gegoogelt … naja … jetzt kommt wohl oder übel der Anime dran 😉 Ich hatte keine Ahnung wie der Anime heisst aber super das du dir die Mühe gemacht hast, den Wortlaut abzutippen.

    *Thumbs up*

    LG aus Berlin

    caldeum

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