Mittwoch, 23.06.10, 20:34 – Uttpala, Nelisha und Kunal sind weg, ohne Abschied

Ich muss jetzt noch einmal auf Adoptionen eingehen, nachdem ich einige Artikel gelesen habe, die meine eigenen Erfahrungen belegt haben.

Ich schreibe mal eine Beispielgeschichte für ein Kind zusammen: Nehmen wir das Mädchen Kali (einfach nur Kali genannt, weil es so dunkel ist), was irgendwie in ein Waisenhaus kommt und adoptiert wird.

Kali wird in einem Dorf irgendwo in der Nähe des Kathmandutales geboren. Nun gibt es 4 Möglichkeiten, damit es in ein Waisenhaus kommt und adoptiert werden kann.
1. Entweder ist Kali Waise.
2. Oder Kali wird aufgrund dessen, dass sie ein Mädchen ist, mit 2-3 Tagen Alter vor einem Tempel abgelegt. Da wird sie gefunden, zur Polizei gebracht und von dort aus in eins der großen Waisenhäuser in Kathmandu weitergeleitet, höchstwahrscheinlich Bal Mandir.
3. Oder Kali wird bis zu einem Alter von ca. 4 Jahren im Dorf von ihren Eltern großgezogen, weil diese das Mädchen haben wollten. Es kommen Menschen in das Dorf, die den Eltern anbieten, Kali in Kathmandu eine gute Bildung zu ermöglichen. Die Eltern geben ihr Kind ab und unterschreiben einen Vetrag (möglicherweise sind die Eltern Analphabeten und können diesen Vertrag nicht verstehen), in dem sie zugestehen, dass Kali zur Adoption freigeben wird. Weiterhin kann es vorkommen, dass ihnen Kontakt zu ihrem Kind versprochen wird oder ihnen sogar Geld für ihr Kind gegeben wird. Kali wird mitgenommen.
4. Kali wird entführt.

In jedem Fall landet Kali in einem Waisenhaus, aus meinen Erfahrungen nehme ich hier mal Bal Mandir. Je nach Alter kommt es in einen von 3 Räumen, Säuglings-, Baby- oder Toddlersraum. An Nahrung (die vom Waisenhaus finanziert wird) erhält Kali das Nötigste, Spielzeug hat sie keins, Klamotten keine eigenen und Krankheiten viele und immer irgendwas, denn Hygiene ist nichts, worauf hier wertgelegt wird. Früchte und Milch zum Beispiel erhalten die Kinder mittags in der Toddlers School, diese wird aber von Freiwilligen oder anderen Spenden finanziert und gehören nicht zum Standardprogramm. Auch die Spielzeuge in der Toddlers School sind von ehemaligen Freiwilligen finanziert und stehen den Kindern nur 2 Stunden am Tag zur Verfügung.

Zeitgleich bemühen sich Paare in Industrieländern um Adoptionsrecht, durchlaufen viele Prozesse, zahlen Geld und hoffen auf eine Genehmigung. Haben sie diese, bewerben sie sich in diesem Fall in einem Entwicklungsland, Nepal also, schicken viele Briefe, Dokumente usw. hin und her und erhalten im besten Fall eine Zustimmung. Mit der Bewerbung dürfen sie Alter und Geschlecht des Wunschkindes angeben, das Waisenhaus erhält zudem noch detaillierte Informationen über deren Leben, Beruf, Vergangenheit, Zukunft, finanzielle Möglichkeiten usw. Nach diesen Informationen suchen zuständige Menschen passende Kinder für die Paare aus. So wird auch Kali ausgesucht, denn veilleicht ist Kali ja schon 3 oder 4 Jahre alt und nicht das hübscheste, aktivste Kind, sondern ein wenig verschlossen. Würden die zukünftigen Eltern einfach ins Waisenhaus kommen und sich ein Kind aussuchen, dann würden möglicherweise Kinder wie Kali gar nicht adoptiert werden, denn bekannterweise werden am liebsten kleine, hübsche Babys genommen. Kali wird einem Paar also zugewiesen, sie erhalten ein Foto per Mail und vielleicht noch ein paar mehr Informationen, sollte es die geben. Daraufhin reist das Paar nach Nepal, macht noch ein bisschen Papierkram und lernt Kali einen Tag bis maximal eine Woche kennen, bleibt vielleicht noch ein paar Wochen mehr in Nepal und nimmt sie mit. Und schon ist Kali in Italien oder Spanien oder sonstwo.

Nach meinen Erfahrungen sehen sich die meisten der Adoptiveltern als reiche Retter, die ein armes, verwahrlostes Kind aus einem Entwicklungsland holen. Sie beachten in den seltensten Fällen, dass das Kind auch schon davor ein Leben hatte und durchaus glücklich war, mütterliche Bezugspersonen hatte, Freunde, vielleicht sogar Geschwister. Auch denken sie kaum darüber nach, dass die Frauen im Waisenhaus sich schon sehr lange um dieses Kind kümmern, vielleicht schon seit den ersten Tagen nach der Geburt und dass sie dieses Kind wirklich lieben. Auch Freiwillige wie ich, werden oftmals vollständig übersehen, ein Abschied wird weder uns, noch den Didis, noch den Kindern ermöglicht. Man könnte zum Beispiel noch einmal eine Runde durch das Haus gehen, jedem Tschüß sagen, das mit dem eigenen Namen bedruckte T-Shirt aus der Toddlers School mitnehmen usw, doch so etwas geschieht nicht.

Eigentlich soll so eine Adoption „nur“  5.000 Dollar kosten, jedoch gehen Beträge is zu 30.000 Dollar über und unter den Tisch. Da kann man sich denken, wer profitiert und warum Kinder so ein gutes Geschäft sind. Im Klartext, es rechnet sich, Kinder aus Dörfern zu kaufen und weiter ins Ausland weiterzuverkaufen.

Im Jahr 2007 hat Nepal selbst Adoptionen ins Ausland aus Gründen von internationaler Kritik gestoppt, doch mittlerweile sind Adoptionen wieder möglich. Trotzdem haben einige Länder, wie die USA und Deutschland Adoptionen aus Nepal vorerst (Februar 2010) eingestellt, alles aus oben genannten bekannten Gründen.

Ich muss zu meiner eigenen Sicherheit noch anfügen, dass ich alle Informationen aus folgenden Artikeln und meinen eigenen Erfahrungen bei Bal Mandir habe. Die Bal Mandir-spezifischen Informationen sind natürlich nicht offiziell vom Management belegt, sondern stammen aus Berichten, Beobachtungen und Gesprächen.

http://www.welt.de/politik/article6608191/Skandal-um-Adoption-von-Kindern.html
http://www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=4132:nepal-studie-weist-regelrechte-adoptionsindustrie-nach&catid=55&Itemid=50

Freitag, 18.06.10, 13:55 – Die Kinder schlafen :)

Daher kann ich gerade ein wenig tippen. Bis gerade eben war noch Pierre hier, dem hab ich mal alles gezeigt.

Ich möchte nun ein wenig mehr über Bal Mandir, korrupte Organisation, Entwickungshilfe (oder -zusammenarbeit) und Freiwilligenrbeit aufklären.

Die aktuelle Situation hier sieht so aus:
Toiletten (für die Kinder und die normalen Hausmütter) existieren, funktionieren aber zu einem Großteil nicht und es liegen je 4-6kg Kot um die Toiletten und auf dem Gang herum. Selbst in den Bürotoiletten ist nicht immer Wasser oder auch nur ein mit Wasser gefüllter Eimer (was problematisch werden kann, falls jemand Durchfall hat und das nicht erst prüfen kann). Viele Ecken und Gänge stinken nach Urin, oft sind Urinpfützen auf dem Boden, gelgentlich sogar Kot.
Es gibt kein Trinkwasser, sondern nur Leitungswasser. Dieses Wasser wird zum Waschen der über hundert Windeln am Tag ge- und verbraucht, so dass schon oft kein Wasser mehr da war. Trotzdem sind einige Wasserhähne undicht und lassen sich nicht mehr richtig zudrehen.
Überall findet sich Mäusekot und dadurch natürlich auch viel Dreck.
Die Kinder bekommen Essen, zum Mittag jedoch oft nur 3 Scheiben Toastbrot oder eine Packung Kekse und sowieso Unmengen an Süßigkeiten.
Es gibt nach meiner Einschätzung ungefähr 13 Didis, die sich in der Zeit, wo die größeren Kinder in der Schule sind um 40 bis 50 Kinder kümmern müssen, Neugeborene bis 5-jährige. 3-4 Didis sind bei den ganz Kleinen (Neugeborene, Babys), ungefähr 15-20 an der Zahl. 3 Didis sind bei den ca. 12 Kleinkindern und den 3 Schwerstbehinderten. 2 Didis kümmern sich von 10 bis 15 Uhr um die 10-15 Kinder im Toddlersalter. Dann gibts es noch 3 Didis im Kindergarten (auch so 10-13 Kinder). Die müssen sich gleichzeitig um die Kinder kümmern, Essen kochen, Waschen (Handwäsche von Windeln!) und saubermachen.
Freiwillige gibt es zu Hauf, die haben allerdings nie eindeutige Aufgaben, sondern können machen was sie wollen. Sie sehen die schlimmen Zustände hier, wollen vieles verbessern und stecken Massen an Geld und Arbeitskraft in Projekte wie Renovieren, Bauen, Einkaufen usw.
Bal Mandir hat kein Geld für Schülbücher für die Kinder, obwohl man weiß, dass das neue Schuljahr im Mai anfängt.

P a r a l l e l   d a z u   w i r d   g e r a d e   e i n   B e a c h – V o l l e y b a l l f e l d   g e b a u t .

Das sind alles von mir persönlich belegte Information, da ich das alles hier ja ständig sehe. Nun zu den nicht bewiesenen Information, die ich nur von anderen Personen erhalten habe. Trotzdem halte ich die meisten meiner Quellen für vertrauenswürdig.

Die Menschen in der Chefetage sind Maoisten.
Einige Menschen in der Chefetage haben 3 Häuser in Kathmandu (erinnert mich an den Vorfall mit der Treberhilfe).
Bal Mandir hat schon oft Geld für Renovierungen bekommen, die Vorher-Nachher-Bilder unterscheiden sich allerdings höchstselten.
Die hier anwesenden Kinder sind nicht alles Waisenkinder, sondern teilweise aus Dörfern für wenig Geld gekauft, haben noch Eltern und werden durch Adoption „weiterverkauft“. (Deutschland und USA haben aufgrund dessen Adoptionen aus Nepal gestoppt!)
Mein Chef hat sich bei einem Saufabend laut darüber geäußert, wie er meine Projektmittel noch ausgeben könnte.

Da stellen sich doch einige Fragen:
Warum ist das Geld da, um ein Beachvolleyballfeld zu bauen?
Woher kommt dieses Geld?
Warum wird es nicht für Notwendiges, wie Essen, Sanitäre Einrichtungen und allgemeine Hygiene oder Schulbücher ausgegeben?
Wenn das Geld eindeutig für das Beachvolleyballfeld gespendet wurde oder einfach direkt gebaut wird, warum sagt man den SpenderInnen oder der Organisation nicht, dass andere Dinge viel dringender begraucht werden?
Warum Enticklungshilfe und Freiwilligenarbeit, wenn diese Leistungen von solchen Organisationen ausgenutzt werden?
Warum unterstützt mn mit diesen Geldern das Konzept solcher Orgnisationen? Diese setzten doch auf Freiwilligenarbeit und deren Gelder, um selber nichts leisten zu müssen.
Warum sperrt Deutchland Adoptionen aus Nepal, aber nicht seine Zahlungen an Organisationen, die diese Sperrung ausgelöst haben?
Warum gibt es da keine genaue Prüfung?

Donnerstag, 17.06.10, 17:18 – zu viele Leute um mich rum

Die WM hat angefangen. Und ich bin mittendrin. Ich fieber mit, ich tippe mit (zweiter Platz ürbigens!) und gucke die Spiele entweder hier zuhause (ja, Michi hat sich USB-Fernsehen für den Laptop gekauft) oder in irgendwelchen Bars auf ner großen Leinwand. Die Wichtigen zumindest. Welche wichtig sind, entscheiden hier aber andere^^

Ansonsten hat heute Arbeit endlich wieder angefangen und wir haben 2 neue Kinder in der Toddlers School, weil ja 2 adoptiert wurden. Ein Kind, was ich noch gar nicht kenne und das blinde Mädchen aus dem Babyraum, was schon lange in dem Alter für die Toddlers School ist und ich mich immer gefragt hab, warum die nicht kommt. Trotzdem war es heute kein normaler Arbeitstag, was zwei Gründe hat. Erstens begleitet mich im Mom Andrea, denn die unterrichtet eigentlich in einem Dorf rund 7,8 Stunden (also so knappe 100 Kilometer) von Kathmandu entfernt Englisch und hat gerade Monsunferien. Zweitens waren heute Spanier da, 3 Paare, es wird wieder adoptiert. Mit diesen 6 Menschen werden nächste Woche Kunal, Nelisha und Uttpala nach unter anderem Barcelona gehen. Es wird schön für sie werden. In einem Monat kommen wohl noch mehr Mneschen aus Spanien, die dann Awaaj, Bidjatri und Suyash mitnehmen werden. Heftig, aber wie gesagt, sie werden ein schönes Leben haben, solang die Familien gut sind. Die Umwelt wird es auf jeden Fall sein. Nicht unbedingt besser, aber auf jeden Fall wohlhabender und hygienischer.

Weiterhin mache ich gerade viele Skizzen für Klamotten, die ich mir schneidern lassen möchte. Milena kennt nämlich einen Schneider, der auch für die Touris in Thamel schenidert und sie hat sich bei dem auch schon einiges Westliches nähen lassen. Leider ist er mit seiner kleinenFbrik umgezogen und wenn man in den Laden in Thamel geht, wirds so sehr teuer… Einerseits brauche ich Tanktops, dann will ich noch ein Kleid, ein Oberteil, dessen Schnitt an mein Abiballkleid erinnert und Gamaschen 😀

Ich hab mich gerade schon in mein Zimmer verzogen, denn ich merke, dass mir die viele Leute um mich rum gerade sehr schnell zu viel werden. Ich denke, ich werd jetzt nach Thamel gehen, mich massieren lassen und ins Internet gehen. Jaaaaa 😀 Vielleicht auch ohne Internet. Wir werden sehen. Morgen ist nämlich Public Viewing geplant, fürs 17:15-Spiel. Deutschland gegen irgendwen. Und da kann ich ich nämlich erst ganz relaxt von der Arbeit zur Post fahren, dann in der Freak Street ins Internet und dann direkt zum Gucken in die ausgesuchte Bar. Ja, das macht mehr Sinn. Der Blogeintrag wird also erst morgen hochgeladen, heißt, wenn ihr das lest, war der Blogeintrag von gestern.

Und ja, es wird noch schlimmer.

Ich habe gerade weiter aufgeräumt und saubergemacht, als Angela mal kurz weg war um dann plötzlich in die die Todderls School zu stürmen und mir zusagen, dass bla, blubb, dings und oinks gerade adoptiert werden. Ich hatte die Namen in dem Satz, dessen Bedeutung in dem Moment wichtiger war, nicht wirklich mitbekommen, kriegte es aber auch erst nach ein paar Momenten hin, sie zu fragen, wer es denn sei, weil mein Englisch einfach weg war. Shanti, Anjaan, Umanga und Susmeta. Ich ließ den Teppischkleber einfach stehen und rannte nach oben in Rabins Büro und dort standen auch schon die neuen Eltern mit ihren neuen Kindern aufm Arm. Hart, sehr hart für mein Herz. Und noch erdrückender für meine Tränendrüse. Ich hab diese Kinder seit rund 8 MOnaten um mich, nahezu täglich. Anjaan aus meiner früheren Toddlers Gruppe hats ganz gut getroffen, der hat jezt ne große Schwester, die muss so 7 sein (er ist 5). Umanga (3 Jahre) aus meiner aktuellen Toddlers Gruppe hat anscheinend auch ganz nette Eltern, die Mama mag er aber noch nicht so, will dann aber zum getröstet werden zum neuen Papa auf den Arm, das ist gut. Und Susmeta (3 oder 4 Jahre), mein kleiner Liebling. Sie kam erst im Januar oder so zu Bal Mandir, hat die ersten Wochen nicht gesprochen, gelächelt oder in der Toddlers School gegessen. Ich habe sie gefüttert, sie einfach auf meinem Schoß gehabt, viel und lang und nach 2 Wochen oder so aß sie alleine. Und lächelte mich an, wenn ich zur Tür reinkam. Mein kleiner Liebling, mein Mädchen. Die neuen Eltern hatten sie auf dem Arm, sie hat sie nie angesehen, zeigte absolut keine Regung im Gesicht. Typisch Susmeta. Trotzdem sah sie nicht glücklich aus. Und Shanti… Das Schlimmste, was hätte passieren können. Shanti ist 5 Jahre alt und wird mit ihrer Freundin Uma seit 2 Jahren von der Irin Janet gesponsort. Janet bezahlt alles, kommt täglich zu Bal Mandir um die beiden zu sehen und nimmt sie am Wochenende mit zu sich nach Hause. Sie und ihr Mann, die seit über 2 Jahren in Nepal leben, wollen Uma und Shanti adoptieren, können es aber nicht, weil man keine 2 Mädchen nach Großbritannien adoptieren kann. Somit bleiben sie vorerst hier und sehen die beidne so oft es geht. Shanti nennt Janet sogar Mama. Jetzt ist Shanti weg. Ohne Uma und nicht bei Janet. Wie kann man ein 5jähriges ihre Mutterfigur nehmen? Wie kann man einer Nahezu-Mutter ihr Kind nehmen? Die neuen Eltern haben sich die Kinder nicht einmal ausgesucht. Nach meinen Informationen hat ihnen Bal Mandir diese Kinder bereitgestellt. Sie werden noch einen Monat in Nepal bleiben, aber natürlich im Hotel oder sonstwo. Bal Mandir, ihre Mamus und Didis, ihre Freunde und Freundinnen werden die Kinder nie wiedersehen.

Bei Umanga, Anjaan und Susmeta ist es natürlich gut und richtig so, sie werden ein so viel besseres Leben haben, gesund sein können, Bildung genießen und und und. Aber Shanti? Sie hat nach Mama, nach Janet geschrien. Und Janet hat geweint. In diesem Moment tut mir kein Mensch auf der Welt so Leid wie sie. Shanti wird in ihrem neuen Leben Janet irgendwann vergessen oder verdrängen können, eine neue Mutterfigu finden und ihr Leben leben. Aber Janet? Soll sie Uma einfach adoptieren und dauernd an Shanti denken müssen? Sie tut mir so unglaublich Leid…

Für die 4 gehts ürbigens nach Italien. Vielleicht seh icH sie in 10 Jahren ja mal wieder.

Ich bin heute meine gesamte Tränenflüssigkeit und Rotze losgeworden. Gleich geht die WM los, als ob ich daraif Lust hätte. Aber wahrscheinlich eine ganz gute Abwechslung. Mal gucken, ob ich wirklich das ganze Spiel gucke oder doch lieber NintendoDS spiele xD

Ich möchte heulen, schreien und schlagen zugleich.

Ich möchte heulen, schreien und schlagen zugleich. Es ist erstaunlich, wie schnell es ein Mensch schaffen kann, dass man sich absolut wertlos, ausgenutzt und ekelhaft vorkommt. Nun zu dem was passiert ist. Einige würden sagen, dass gehört in keinen Blog, aber doc, der ist schließlich über mein Leben in Nepal und hässliche Seiten gehören auch dazu. Ich stieg also in einen Microbus Richtung Posthauptbüro ein uns hatt erstmal keinen Sitzplatz und musste mich uf den Boden hocken. Als dann aber jemand von ganz hinten ausstieg, wollte ich mir den frei gewordenen Platz schnappen und ich tata das auch. Da saß allerdings son blöder Kerl, der kein bissch rutschen wollte und somit saß ich dann doch nur ganz knapp vorne auf der Sitzkante. Dieser Kerl gehörte auch noch zu der Sorte, die aufgrund von zu großer Männlichkeit (ich rede jetzt vom Ego) die Beine auch niiiieee zsammenmachen und damit natürlich noch mehr Platz wegnehmen. Als dann bei einer Station die gesamte Bank vor mir frei wurde stand ich wieder auf und setzte mich dort ans Fenster. Und der komische Kerl folgte mir und setzte sich neben mich? Ähm, hallo, war das nötig? Und als er mich dann weiterhin anstarrte (aus 20 cm Entfernung ist das unangenehmer als sonst schon,,,) zog er auch noch sein Hemd aus der Hose und steckte seine Hand rein. Ja genau, er holte ich direkt neben mir mit mir als Wichsvorlage einen runter. Ich habe noch nie etwas ekligeres erlebt. Mir war schlecht, ich wollte heulen, hab jeglichen Körperkontakt vermieden (soweit das bei nem Fensterlatz möglich ist) und ihm am Ende noch ein Machigni ins Gesicht geblökt (Motherfucker überssetzt, das schlimmste Schimpfwort, was es gibt, das dürfte man nicht mal zu jemandem sagen, der einen gerade vergewaltigt hat. Zumindest nicht als Frau). Ich brauchte gerade eine Umarmung, ein Gespräch und Papas Bauch, in den ich reinschlagen kann soviel ich will. Wenigstens das Gespräch konnte ich kriegen. Ein großes Dankeschön and Max und Skype und Ubuntu, dank dem mein Rechner überhaupt wieder skypen kann.

Dienstag, 09.06.10, 19:42 – …

Seit gestern machen Angela und ich die Toddlers School sauber. Wir dachten eigentlich, dass das schneller gehen würde, aber wir müssen unglaublich schrubben… Bisher haben wir 2 Türen, ein paar Teile der Wände und 5 Regale sauberbekommen… Wir benutzen Chloreiniger und Bürsten zum schrubben, wie man sie hier auch zum Waschen oder bei uns zum Schuheputzen benutzt, nur noch härter. Ds Zeug braucht man allerdings auch, wenn man hier wirklich was sauber bekommen möchte, ich glaub ja, dass der Dreck schon seit über 3 Jahren da lagert. Es wird halt nur so alle 6 Monate mal mit nem feuchten Tuch drübergwischt, das bringts nicht sooo sehr. Die Regale und Türen wollten wir eigentlich streichen, aber das ist völlig unnötig, denn jetzt, wo die wieder weiß sind, sehen die richtig gut und fast wieder neu (okay, übertrieben) aus! Heute haben wir über 70 Kuscheltiere zur Wäscherei gebracht, die sind sowas von siffig und dreckig. Dazu haben wir ungefähr 30 Spinnen ihr Zuhause geraubt, eine Ameisenkolonie ausgerottet (ertränkt) und es den Mäusen und Ratten ungemütlicher gemacht. Es ist so eeeeekeeeelhaaaft!

Noch so nebenbei: vor ca 3 Tagen hatten wir 36 Stunden Stromausfall am Stück. Unangenehm, dass kann ich euch sagen, insbesondere, da nie irgendwas angesagt wurde! Ich glaube, dass unser Bezirk einfach vergessen wurde…

Mittwoch, 02.06.10, 21:17 – Seeeehnsucht *lechz* *sabber*

Wir redeten eben über Essen. Deutsches Essen. Woaaaa. Wir erinnerten uns an Eisbein, Rinderrouladen, Kassler, Wurst im Allgemeinen und Besonderen, Gulasch, Wild, Salami und so weiter. Eigentlich schlimm, denn das ist ja alles Fleisch! Und Fleisch vermisse ich gar nicht so, ich ernähre mich seit geraumer Zeit vegetarisch und das ist absolut kein Problem. Aber trotzdem, der Gedanke an diese ganzen Köstlichkeiten lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Und wenn man dann noch weiter an SALATE denkt, oder an Schneewittchenkuchen, dann wirds noch schlimmer.
Mein erstes Mahl in Mainz wird ein Tomaten-Gurken-Paprika-Feta-Salat werden *_____* und in Berlin werde ich hoffentlich mit Rinderrouladen und Schneewittchenkuchen begrüßt. Oder doch lieber Bouletten? Nein, ich bleibe bei Rinderrouladen, Bouletten lieber eine Woche später =)

Montag, 31.05.10, 18:49 – toller Hanf, noch tollere Hunde und die tollsten Freundinnen

Toller Hanf:

Die besagte Pflanze spriesst hier angeblich überall an Straßenrändern und -ecken. Das wird zumindest in allen Reiseführern gesagt. Dabei stimmt das gar nicht, dachte ich aufgrund meiner Erfahrung bisher. Bis auf den Hanfbaum und die Hanfsträucher auf dem Land hab ich davon noch nicht viel gesehen. Jetzt aber! Direkt vor unserem Haus! Beweisfotos gibt es selbstverständlich auch =D


Exkurs:
Heute habe ich Kilians Projekt besucht. Er arbeitet bei CWISH, eine schon mehrfach auch international augezeichnete Organisation, die größtenteils im Bereich Bildung, Sexual Child Abuse, Child Domestic Workers arbeitet. Sauberes Büro, respektvoller Umgang miteinander und alles sehr ordentlich und organisiert! Genau das Gegenteil von meinem Arbeitsplatz^^
Und nun zu unseren noch tolleren Hunden:

KAALO: Unser ehemaliger Hund. Wurde als kleiner, kranker Welpe von Yasmina und Milena angeschleppt (am Tag meiner Abreise nach Deutschland) und kurzerhand zum WG-Hund erklärt. Er hatte eigentlich immer Würmer, ich habe ihn nicht sonderlich geliebt. Nach Weihnachten hat Andrea, die ihm innerhalb von 3 Tagen Platz, Bleib, Rolle usw. beigebrachte hat, ihn mit nach Dolakha mitgenommen (aufs Land) und da ist er dann anch 2-3 weiteren Wochen weggelaufen. Wir haben ihn für tot erklärt, aber Yasmina hat die Hoffnung für ihren Schatz natürlich noch nicht aufgegeben.

BUNJI: Der Hund von Rike und Bipin, deutscher Schäferhund, lebte über uns. Leider habe ich erstens nur Welpenfotos von ihm und zweitens ist er gar nicht mehr hier sondern mittlerweile in Deutschland. Sein Name bedeutet übrigens „Herr des Dschungels“, Bun ist der Dschungel und ji der höfliche Anhang, was einem Herr oder Mister bei uns entsprechen müsste.

FISHBONE: Fishbone ist immer auf dem Weg von Thamel nach Hause mit uns mitgelaufen, springt dauernd an einem hoch und um einen herum. Ihren namen verdank sie ihrer Wendigkeit, es sieht immer aus, als hätte sie keine Wirbelsäule. Zwischendurch ist sie sogar ganz nach Khusibu gezogen und lag imer vor unserem Haus im Schatten herum und wartete auf uns und brachte uns dann immer bis zum Bus oder so =) Leider hat letzte Woche ein Mann aus dem Nachbarhaus einen Knüppel genommen und Fishbone zusammengeschlagen, aus welchem Grund auch immer. Sie lag ganz friedlich herum, wie immer… Er hat sie oft am Kopf getroffen, daher hat sie dort sehr stark geblutet. Sie wohnt jetzt wieder in ihrem alten Viertel, aber es geht ihr mittlerweile wieder besser, sie läuft schon wieder herum und lässt sich gut streicheln. Allerdings ist sie jetzt auf dem rechten Auge blind und hält den Kopf immer schief. Was ein Arschloch von Mensch!

WURST: Diese Hundedame ist alt, fett, klein und kurzbeinig, deshalb Wurst. Selbstverständlich „Wuääst“ ausgesprochen (nur von mir). Die Dame liegt immer um die Ecke herum, bewegt sich tagsüber so gut wie gar nicht, nachts ein bisschen und rennt uns (soweit das ihre Beine zulassen) auch schonmal entgegen oder hinterher. Sie mein absoluter Liebling und durfte letzens sogar ein Dritteln meines Burgers fressen. Und Wurst ist immer da, die anderen Hunde dagegen sind zwischendurch auch mal weg. Sie nie, was daran liegen dürfte, dass sie sich so schlecht bewegen kann. Oder uns so sehr liebt^^

ROBUSTY: Er wohnt irgendwo hinter unserem Haus, man sieht ihn nicht so oft. Er ist ziemlich groß und sehr massiv, wenn man dieses Wort für einen Hund benutzen kann. Deswegen auch der Name, sehr robust halt.

MADAME: Sie ist die beste Freundin von Wurst und mag niemanden. Außer mich manchmal. Aber nur gelegentlich.

MOONBOOT: Den Namen haben wir uns erst gerade ausgedacht, denn dieser Hund hat die mittlere Hundegröße, wie Madame, aber weiße Pfoten und Unterschenkel (kann man das so sagen) und eine weiße Schwanzspitze. Sehr sehr süß und begrüßt und wie alle anderen auch immer nachts, wenn wir nach Hause kommen (also ab 10 Uhr).

BÄRENHUND: Ich habe ihn selber nie gesehen, er ist eine Legende, sieht aber angeblich mehr wie ein Bär als wie ein Hund aus. Johnny und Yasmina dagegen kennen ihn und beschreiben ihn so: „Er weiß um seinen Charme Bescheid und ist leicht arrogant“.

JIBLO: Die alte Organic-Shop-Hündin. Wurde für 6 Monate von Bunji verdrängt, aber ist jetzt wieder die Shop-Hündin.

YODA: Anderer Hund, der viel bem Organic-Shop abhängt. Er hat Yodas Kopfform und eine kleine runde Stelle auf dem Kopf, wo die Haare ganz kurz sind.

Und nun noch zu meinen allertollsten Freundinnen:
Ich muss hier mal meinen Stolz herausposaunen und ordentlich protzen^^ Ich nenne jetzt keine Namen, aber meine eine Freundin hat die Sporteignungsprüfung der Leipziger Uni bestanden (man muss alles bestehen, nicht wie in Köln, wo man ein Defizit haben darf) und meine andere Freundin hat es in die zweite Runde der Eignungsprüfung der Universität der Künste in Berlin geschafft (da kommen nur 5% der Bewerber rein)! Ja, darf ich da stolz sein??? Muharhar!