Karlstad: Auch süß

Nach Karlstad wollte ich trampen – das erste Mal auf dieser Reise. Dank dem hitchwiki wusste ich von einer guten Stelle um loszutrampen, auch wenn es ein wenig kompliziert war hinzukommen (Tram, Schienenersatzverkehr und eine halbe Stunde laufen). Innerhalb von 15 Minuten hielten drei Menschen an, aber erst der letzte fuhr bis nach Karlstad durch. Bei dem fuhr ich dann mit, auch wenn es mit der Zeit echt merkwürdig wurde. Nach der Hälfte der Strecke machte der Herr sich erstmal einen Joint an und meinte mir zu erklären, dass normale Zigaretten ja viel schlimmer seien (auch beim Autofahren). Ähm, ja sicher… Nunja, da er diese Tour aber jedes Wochenende fuhr und augenscheinlich noch lebte, wollte ich nun auch nicht mitten auf der Autobahn aussteigen. Als dann allerdings noch die creepige Frage kam, ob ich ihn nicht gerne küssen möchte, freute ich mich umso mehr auf die Ankunft. Aber eigentlich finde ich das ja sehr gut, wenn man vorher nachfragt. Sollte ich mir für westliche Länder doch auch noch einen Fake-Ehering zulegen?

Schlafen durfte ich die Nacht im Haus des Vaters des Freundes einer Freundin, die ich in Island kennengelernt hatte. Wir haben uns am Abend am Wasser noch eine Chinapfanne für läppische 8 Euro gegönnt und den Abend auf dem Sofa mit dem Bourne-Ultimatum ausklingen lassen.
An Tag darauf habe ich Karstad wie immer auf dem Rad erkundigt und die meiste Zeit im Stadtpark verbracht, der einen wundervollen Naturwanderweg und -steg hat.

Göteborg: Und wie immer hat doch alles irgendwie geklappt

Bis ca. 24 Stunden bevor ich in Göteborg ankommen wollte, hatte ich immer noch keine Schlafmöglichkeit gefunden. Ich erwartete also fast, wieder in der Hängematte, diesmal aber im Park schlafen zu müssen. Und am meisten stört mich an diesem Gedanken ja, dass ich schlafend nicht auf mein Gepäck aufpassen kann.

Am Morgen,  bevor meine Mitfahrgelegenheit losfuhr, meldete sich dann aber doch noch ein Couchsurfer bei mir, der mich aufnehmen wollte. Daher musste ich dann nur 4 Stunden zwischen Ankunft in der Stadt und seinem Arbeitsschluss überbrücken, was ich mit Couchsurfing-Anfragen für Stockholm und umherradeln auch gut geschafft habe. Göteborg hat nämlich ein innerstädtisches Fahrradverleihnetz, bei dem man kostenlos fahren kann, solang man das Rad nicht länger als 30 Minuten nutzt. Daher fährt man einfach eine gewisse Zeit und tauscht es dann an einer Station gegen das nächste Rad, mit dem man dann wieder bis zu 30 Minuten fahren darf.

Von meinem Gastgeber habe ich dann Matratze, Kissen und Decke bekommen, wir waren noch etwas essen und er hat mir sogar seinen  Wohnungsschlüssel und sein Fahrrad überlassen, da ich dann doch gleich zwei Nächte bei ihm blieb.

Göteborg ist eine schöne Stadt, auch wenn mich nach Kopenhagen, glaube ich, nichts mehr noch mehr begeistern wird. Die Radwege waren sehr verwirrend, denn meistens verliefen sie nur auf einer Straßenseite, dann auch auf dem Bürgersteig, und man durfte in beide Richtungen fahren.

Ich war im Stadtmuseum (sehr empfehlenswert), habe mich mit einer schwedischen Freundin getroffen und interessanten Fisch gegessen (mittelmäßig empfehlenswert) und war auf den Schären. Die Schären sind sehr kleine Inseln südlich von Göteborg, auf die man nur per Fähre kommt. Selbstverständlich war ich mit dem Rad da, hin und zurück waren es vielleicht 24 km.
Heute bin ich schon weiter nach Karlstad getrampt, habe mir vorher aber noch den ausgestopften Wal im Naturkundemuseum angeguckt. Wer auf Massen von ausgestopften Tieren steht, sollte da dringend mal hin…

Kopenhagen: zu Recht als Fahrradstadt berühmt!

Kopenhagen hat mich schwer begeistert. Und das, obwohl ich zwei Nächte in meiner Hängematte in einer Skatehalle (eigentlich mehr  Bretterverschlag als Halle) mit Überresten von Bier- und Grasgeruch (okay, ist nicht so ungewohnt, aber ich schlafe dabei selten) in der Nase verbracht habe. Geduscht habe ich nur einmal in einer Art Sauna für 3,50 € und Klos habe ich mir in Cafés und Einkaufszentren gesucht. Jetzt sitze ich in Göteborg in einem Treppenhaus und warte darauf, dass der Mensch, der mich für die Nacht aufnehmen wird, nach Hause kommt. Dusche! Waagerechte  Schlafgelegenheit in einer echten Wohnung! Yeah!

Aber nun zur Fahrradstadt Kopenhagen.
1. Fahrradwege sind geteert, nicht von Einfahrten unterbrochen und breit genug, dass man gut überholen kann.
2. Die Ampeln sind auf einigen Stecken auf Fahrräder ausgelegt,  d.h. man hat bei 20km/h eine grüne Welle. Das wird einem auch zwischendurch durch Lichter an den Seiten angezeigt und ist extra ausgeschildert.
3. Radfahrer*innen halten sich an Regeln und rote Ampeln. Das macht auch viel mehr Spaß, wenn man so sehr auf der Straße respektiert wird.
4. Die Chancen auf einen Unfall mit einem Auto sinken rapide, da der Fahrradweg auf der Straße, aber ein Stück von der Fahrbahn abgesetzt, ist und Autos an Ampeln nur dann grün haben, wenn Räder  nicht geradeaus dürfen.
5. DIE FAHRRADBRÜCKE! (Video kommt später)

Es ist nur fair zu sagen, dass viele Probleme mit Fahrradwegen bei uns von Baumwurzeln herrühren und das Problem gibt es in Kopenhagen aufgrund von nicht vorhandenen Bäumen an den Straßen nicht. Und Bäume sind schon was Schönes.

Und hier noch ein bisschen mehr Kopenhagen.
Ja, selbstverständlich habe ich ein Hotdog gegessen. Zwei mal sogar. Ja, mit Fleisch. Und ja, alles bio 😉