Letzter Tag Vilnius und schon wird weiter getrampt

Stadtrundgang, Kneipen und Bars, Fahrradfahren, auf Hügel steigen, alte Dinge besichtigen und noch ein Film im Rahmen des LBGT-Festivals – das war der letzte Tag in Vilnius. Sehr spaßig!
Heute morgen pfiff ich mir noch schnell zwei Waffeln zum Frühstück rein und mehr mich auf den Weg. Ich wollte nach Danzig und die Chance, es bis dahin trampend zu schaffen, war bei fast 600 km vorhanden, aber nicht riesig.
Zwischendurch bin ich fast verzweifelt und spielte mit dem Gedanken, den Nachtbus zu nehmen. Aber nichts da, schließlich hatte ich eine Couchsurferin als Host in Danzig.
Meine erste Mitfahrgelegenheit bot sich nach einer dreiviertel Stunde in Trakai an, wo ich auch schon fast zwei Stunden mit komischen Bussen (und ohne Erfolg beim Trampen) hingebraucht hatte. Schilder zu vekommen war auch so ein Problem, ich habe irgendwann Kisten sam Straßenrand auseinander geschnitten. Es nahm mich ein polnisches Pärchen mit und dank seiner kompenten Art, die Straße wie eine besengte Sau zu befahren, kamen wir recht schnell in der ersten Stadt hinter der Grenze an. Die beiden setzten mich am Busbahnhof ab (sie hatten wohl nicht verstanden, dass ich weiter trampen wollte) und ich musste noch eine Stunde zu einer geeigneten Stelle laufen. Von dort nahm mich aber nach so 15 Minuten eine Bauarbeitercrew bis Augustów mit. Derselbe Fahrstil, dafür aber mit mehr Spaß. Sie setzen mich extra an der Straße ab, die weiter nach Danzig führen würde. Mit neuen Schildern aus einem Supermarkt bewaffnet nahm mich erst ein Himbeertransporter so 20 km mit (fuhr ganz vorsichtig und roch herrlich) und danach ein weiteres Pärchen, dass sogar die restlichen 300 bis 350 bis nach Danzig fuhr! Insgesamt war ich fast 12 Stunden unterwegs und habe knapp 600 geschafft und ehrlich gesagt, habe ich damit nicht gerechnet.

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Riga: Kurzer Abstecher ins Bekannte

In Riga verbrachte ich nur eine Nacht, hatte dafür aber eine tolle  Schlafgelegenheit bei einer  Zahnmedizinstudentin. Wir waren erst lettisch essen, haben uns dann einen Cider am Fluss gegönnt und zuhause Tee getrunken und ewig geredet. Am morgen brachte sie mich noch zum Bus und Supermarkt (man braucht ja von irgendwo die Pappe fürs Schild).

Vilnius: Zuneigung auf den ersten Blick

Okay, auf den zweiten. Ich bin im strömenden Regen in Riga los, ich kam im strömenden Regen in Vilnius an. Zwischendrin gab es aber Sonne. Und einen Menschen mit einem Auto (Sportwagen, Mercedes, AMG, black edition oder so), der 220 km/h auf 110er-Straßen fuhr und man es tatsächlich nicht gemerkt hat, eigentlich aus Dubai kam und sechzehn Jahre in Deutschland gearbeitet hat, die Familie Öl besitzt, er für diese Reise seine drei Lieblingsautos nach Bulgarien hat fliegen lassen, damit er auch wechseln kann, und innerhalb von zweieinhalb Monaten Reisen 75.000 Dollar ausgegeben hat.

Vilnius ist aber wunderschön, und auch wenn der Herr morgen nach Warschau weiterfährt und mich mitnehmen würde, lehne ich das bei dieser Stadt doch gerne ab. Das erste Mal auf meiner Reise schlafe ich nun im Hostel, weil ich keinen Host gefunden habe und die Nacht (und es ist echt schön und sauber hier) nur 10 Euro kostet. Erst war ich mit zwei Erasmus-Student*innen was essen, danach auf dem LBGT-Festival (wo der empfehlenswerte deutsche Film „Freier Fall“ mit englischen und litauischen Untertiteln gezeigt wurde) und Ende noch eine Stunde auf dem Fahrrad unterwegs (gleiches Konzept wie in Göteborg).

Karlstad: Auch süß

Nach Karlstad wollte ich trampen – das erste Mal auf dieser Reise. Dank dem hitchwiki wusste ich von einer guten Stelle um loszutrampen, auch wenn es ein wenig kompliziert war hinzukommen (Tram, Schienenersatzverkehr und eine halbe Stunde laufen). Innerhalb von 15 Minuten hielten drei Menschen an, aber erst der letzte fuhr bis nach Karlstad durch. Bei dem fuhr ich dann mit, auch wenn es mit der Zeit echt merkwürdig wurde. Nach der Hälfte der Strecke machte der Herr sich erstmal einen Joint an und meinte mir zu erklären, dass normale Zigaretten ja viel schlimmer seien (auch beim Autofahren). Ähm, ja sicher… Nunja, da er diese Tour aber jedes Wochenende fuhr und augenscheinlich noch lebte, wollte ich nun auch nicht mitten auf der Autobahn aussteigen. Als dann allerdings noch die creepige Frage kam, ob ich ihn nicht gerne küssen möchte, freute ich mich umso mehr auf die Ankunft. Aber eigentlich finde ich das ja sehr gut, wenn man vorher nachfragt. Sollte ich mir für westliche Länder doch auch noch einen Fake-Ehering zulegen?

Schlafen durfte ich die Nacht im Haus des Vaters des Freundes einer Freundin, die ich in Island kennengelernt hatte. Wir haben uns am Abend am Wasser noch eine Chinapfanne für läppische 8 Euro gegönnt und den Abend auf dem Sofa mit dem Bourne-Ultimatum ausklingen lassen.
An Tag darauf habe ich Karstad wie immer auf dem Rad erkundigt und die meiste Zeit im Stadtpark verbracht, der einen wundervollen Naturwanderweg und -steg hat.